VICTOR MAN

7.9.-29.10.2017
Eröffnung 6.9.2017, 19:30 Uhr

Victor Mans Malereien sind voll von Gegensätzen und Widersprüchen und zugleich seltsam plausible, metamorphotische Verschmelzungen. Die Ausstellung des rumänischen Malers in den Räumen von Fürstenberg Zeitgenössisch versammelt eine konzentrierte Auswahl kleinformatiger Porträts und Stillleben, denen ihr symbolischer und allegorischer Charakter gemein ist. Ihr Gehalt aber entzieht sich einer eindeutigen Entzifferbarkeit und fordert vielmehr zu einer sehenden Untersuchung der Zyklen des Werdens und Vergehens auf, die sich thematisch durch die Arbeiten ziehen. Das Thematische lässt sich bei Man aber nicht abtrennen vom Malerischen und der eigenen Präsenz, die seine Werke beanspruchen.

Die intime Malerei des rumänischen Künstlers situiert sich in einem surrealen farblichen Zwischenraum und wirkt, als sei ein Farbfilter über sie gelegt worden. Dieser Dämmerzustand verleiht ihr eine besondere Stimmung und bindet die gezeigten Werke eng zusammen. Er verleiht ihr aber auch eine gewisse Künstlichkeit, wo harte Konturen sich von Hintergründen abheben, die ihnen nicht zugehörig zu sein scheinen, oder sich kräftige bläuliche Schatten um die Figuren legen. Auf ähnlich widerstrebende Weise verbinden sich Pflanzliches und Menschliches, Architektonisches und Belebtes, wo sie zugleich als malerische Formen ein Eigenleben beanspruchen. Dieses Verschmelzen von Elementen und ihre Ablösungen produzieren ein Hin- und Herspielen mit Formen des Sehens und Erkennens.
Die aus der Zeit gefallenen Figuren, die Victor Man altmeisterlich malt und zugleich zeitgenössisch behandelt, lassen sich nicht als Porträts, nicht als Stillleben und nicht als Narrationen auflösen. Sie sind ein poetischer und surrealer Blick über eine Schwelle, hinter der sich ein eigener, in gewisser Weise idiosynkratischer Wirkrahmen entwickelt, der wieder und wieder betrachtet werden will. Dabei lassen sich Wiederholungen von Motiven ebenso erkennen wie eine Vielzahl von Referenzen, die von der Renaissance bis in die klassische Moderne reichen.

Der menschliche Weg durch die Lebensalter und seine sich wandelnden Konstellationen ist in die Arbeiten eingeschrieben. Victor Man, so legen die beiden „Self Portrait[s] at Father’s Death“ und „Self with Father“ nahe, ist der Ausgangspunkt für die bei Fürstenberg Zeitgenössisch gezeigten Werke. Auch die beiden Zeichnungen nach einem Raffael-Selbstprotrait von Mans Großvater und Man selbst als er noch Kind war, verweisen darauf. Sie zeigen aber trotz aller Persönlichkeit sowohl das Bild als auch die künstlerische Arbeit als Projektionsfläche und Orientierungsfeld. Von vollkommener Aufgehobenheit bis zur Einsamkeit, von der frühen Kindheit bis zur Sterblichkeit changieren die unterschiedlichen Stationen zwischen Gegenwärtigkeit, Antizipation und Erinnerung und binden die Motive ein in einen symbolischen und referentiellen Kosmos ein.

Victor Mans Werke distanzieren sich von der Annahme, sie seinen Repräsentationen von etwas, das außerhalb von ihnen liegt. Sie distanzieren sich aber auch von einer vermeintlichen Innerlichkeit und verharren vielmehr in einem Zustand der Annäherung, der sich in wiederholten Versuchen, etwas zu erfassen, sich und das Andere zu verorten, niederschlägt. So scheinen seine Werke Fragen der Neu- und Wiederorientierung, des sich Einschreibens in Möglichkeiten des Zeigens und Sehens wie des sich Findens anzutreiben.